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Dein Dich liebender Paul

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Postkarten aus dem 1.Weltkrieg

Ein Krieg ist etwas Schreckliches, etwas Zerstörerisches, etwas Leidvolles, und in vielerlei Hinsicht möchte man ihn vergessen. Wenigstens diejenigen, welche ihn miterlebt haben.

1914 bis 1918, 70 Millionen Soldaten, 21 Millionen verwundet, 9.8 Millionen starben… Diese Liste von Fakten könnte endlos sein. Wir alle wissen über den ersten Weltkrieg, haben ihn in der Schule durchgenommen oder ein Buch darüber gelesen. Aber oft vergisst man, was dies konkret bedeutet. Gerade die jungen Generationen, wie die meine, wissen gar nicht mehr was es heisst, dem Krieg ausgeliefert zu sein. Dem möchte ich mit meinem Projekt gegensteuern.

1 Postkartenalbum, 226 Postkarten, 2 Schicksale, 1914 bis 1916, Krieg, Verwundung, Trennung, Schmerz… Diese Liste von Fakten ist neu. Sie ist in meinem Projekt entstanden, wobei es sich nicht mehr um die grosse Masse handelt. Es ist vielmehr ein Einblick in das Leben zweier Menschen, die sich geliebt und ein Leben gemeinsam angefangen haben, an einem unscheinbaren Ort und mit einer unscheinbaren Vergangenheit. Aber genau wegen ihrer Gewöhnlichkeit, wegen ihres Unwissens und ihrer Unscheinbarkeit ist ihre Geschichte hörenswert.

In meinem Projekt gab ich Paul und Anna Geyer, meinen direkten Vorfahren, eine Stimme. Im Dezember druckte ich mein Werk aus, ein 200-seitiges Buch mit dem Titel “Dein Dich liebender Paul”. Es beinhaltet die in die heutige Schrift übersetzten Postkarten, sowie recherchierte Hintergrundinformationen, eine Analyse und eine Interpretation der Beziehung von Paul und Anna. Diese schrieben sich wöchentlich, als Paul angeschossen im Lazarett lag.

Es ist ein Generationenprojekt, da mich meine Grosseltern, meine Mutter und Geschwister dabei unterstützten. Was habe ich konkret getan? 226 Postkarten sortiert, geordnet, gelesen, Hintergrundinformationen durch Interviews und Recherchen gesammelt, sowie über die Postkarten geschrieben. Alles ist in einem Buch festgehalten und wurde auch schon von verschiedenen Interessierten gelesen. Dieses Projekt habe ich innerhalb eines halben Jahres umgesetzt.

Mit diesem Buch gebe ich nicht nur anderen die Möglichkeit, sich in die Lage dieser zwei Menschen einzufühlen, sondern verleihe auch meiner Familie einen Einblick in unsere Vergangenheit. Die im Buch dargestellten Postkarten sind eines der kostbarsten Überbleibsel, welches uns von unseren Vorfahren geblieben ist. Der erste Weltkrieg betrifft viele meiner Vorfahren, und mit diesem Album möchte ich auf dieses tragische Kapitel meiner Familiengeschichte aufmerksam machen.

Der Kartenaustausch gibt einen Einblick, wie wenig Kontrolle Anna und Paul über ihr Schicksal hatten, und wie eine Beziehung auseinandergerissen wurde. Eine von vielen? Möglich. Aber jede Geschichte ist es wert, eine Stimme zu erhalten. Und meinen Ururgrosseltern gebe ich mit dieser Arbeit eine Stimme. Sie mag zwar leise sein, aber sie hat Kraft.

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Written by Bea Stoy

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